Gut vernetzt und voller Pläne

Auch das Heinersyndikat will in der Lincoln-­Siedlung ein generationenübergreifendes Wohnprojekt umsetzen. Neben Wohnungen soll dieses auch einen Co-Working-Space sowie ein Depot für Produkte aus der solidarischen Landwirtschaft umfassen. Zuerst aber gilt es, die Finanzierung auf sichere Beine zu stellen. 

An Ideen mangelt es den rund 40 Kindern und Erwachsenen im „Heinersyndikat“ nicht. Ebensowenig an Tatkraft und der Lust, bei der Realisierung einer gemeinsamen Version kräftig mit anzupacken. Beides kommt allerdings erst dann richtig zum Einsatz, wenn das geplante „Miethausprojekt in Selbstverwaltung“ auch finanziell komplett in trockenen Tüchern ist. Anders als ZusammenHaus, das Wohnprojekt in Kooperation mit der bauverein AG, oder auch „Wohnsinn Bessungen“, das das genossenschaftliche Wohnsinn-­Netzwerk im Rücken weiß, müssen die Syndikatsmitglieder nämlich noch externe Investoren finden, die ihre Vision vom generationenübergreifenden Wohnen mitfinanzieren. 

Schaffen will die Gruppe das über die Vergabe von Direktkrediten – nach Meinung von Vereinsvorstand Dorothee Rodenhäuser eine gute, lokale Geldanlage für Menschen, „die wissen wollen, wo ihr Geld eingesetzt wird“. Mit den kontinuierlichen Mieteinnahmen durch die BewohnerInnen werden die Kredite zurückgezahlt. Leerstand ist in Darmstadt nicht zu befürchten: An Menschen, die sich beteiligen, mitwohnen wollen, wird es dem Projekt nicht mangeln, sind die Syndikatsmitglieder überzeugt. Darüber hinaus halten sich die Kosten für den Umbau des Bestandsgebäudes in Grenzen. Dieser erfolgt über ein Architekturbüro. 

Gegründet wurde das Heinersyndikat bereits vor sieben Jahren, als sich abzuzeichnen begann, dass die Lincoln-Siedlung einmal als Wohnadresse interessant werden könnte. Bis das Projekt konkreter wurde, hat es zwar etwas gedauert – zwischenzeitlich hielt die Gruppe auch nach anderen Häusern Ausschau –, seit Beginn der Konversion aber konzentriert sich das Syndikat wieder mit voller Kraft auf das Lincoln-Projekt. Für ca. 50 Personen sind 16 Wohnungen geplant – kleine ebenso wie große für Wohngemeinschaften und Familienwohnungen. Derzeit wird eine Liste von interessierten Menschen geführt, da erst geklärt werden muss, welche Wohnraumbedürfnisse im Projekt erfüllt werden können

Bieten soll das Projekt Wohnraum ohne Barrieren – im direkten wie im indirekten Sinne: Kostengünstige Wohnungen sind ein zentrales Ziel. Gemeinschaftsräume und eine Wohnung sollen von Anfang an barrierefrei sein. „Wir müssen schauen, was finanziell drin ist, haben aber den Vorteil, dass wir als Gruppe gut entscheiden können, wo wir einsparen und Abstriche machen wollen“, so Rodenhäuser. Sozialwohnungen sowie mindestens eine Wohnung für Flüchtlinge aber sind bereits gesetzt. „Zudem fallen bei uns die Verwaltungskosten weg, weil wir alles in Eigenregie machen“, argumentiert auch Andrea Walther, die in Marburg schon in einem ähnlichen Projekt gewohnt hat und deutlich macht, worum es in einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt nun einmal geht: „Selbstorganisation bedeutet auch, Einsatz zu erbringen!“ 

Dafür hat das Mehrgenerationenprojekt auch einiges zu bieten: Teilen von Gemeinschaftsflächen durch die Einrichtung von Werkstätten, Co-Working-Space, Räume für kreative Angebote und individuelle Ideen sowie die alltägliche Unterstützung und Begegnung zwischen den BewohnerInnen. 2018 könnte diese Vision Realität werden.